Aufgewachsen bin ich in einem Dorf hier im Seeland. Meine Familie  glaubt an Gott, die Religion wurde aber bei uns, wie in vielen anderen Familien auch, nicht sehr praktiziert.

Als ich etwa 11 Jahre alt war, stellte ich wohl das erste Mal bewusst  fest, dass mein Onkel und seine Familie die Religion etwas anders  lebten als wir. Sie sind „Freikirchler“. Die Religion bestimmte ihr  ganzes Leben, von morgens bis abends. Es wurde gebetet beim essen, sie  gingen an Vorträge und lasen viel in der Bibel, der grösste  Unterschied war aber, dass sie Jesus anbeteten und nicht Gott. Ich  versuchte zu verstehen was ihr Glaube ist und stellte viele Fragen. Die  Antwort unter anderem aber, dass Jesus Gott sei (audhubillah), wollte  ich nicht akzeptieren.
Lange Zeit beschäftigte mich das Thema Religion, Leben, der Tod, was danach passiert,  aber keine der Antworten, auch nicht die Vorträge ihrer „Pfarrer“ und  die Predigten unseres reformierten Pfarrers leuchteten mir ein.

Während meiner Jugend dann, trat die Religion wieder etwas in den  Hintergrund, bis ich meinen Mann kennenlernte. Ein Muslim aus einem Land  Nordafrikas, der 5x täglich gegen Mekka betet, sich jedes mal vor dem  Beten wusch, kein Fleisch ass welches nicht islamisch geschlachtet ist,  kein Alkohol trank etc, da traten viele neue Fragen auf. Ich fragte und  fragte und erhielt auf jede meiner Fragen ein klare Antwort. Am meisten faszinierte mich dabei die Tatsache, dass mein Mann viele Antworten aus  dem Koran rezitierte oder aus den Hadithen des Propheten Mohammes  (s.a.s) vorlas.

Immer mehr zog mich der Islam an und ich begann mich unbewusst zu  verändern. Ich fing an im Koran zu lesen, meine Kleidung wurde anders,  ich wurde ruhiger, verhielt mich anders, ass kein Schweinefleisch mehr  etc. Dieser Veränderungsprozess ging nicht von heute auf morgen. Ich war  und bin nicht der Typ der etwas anfängt ohne es nicht zu hinterfragen  oder nachzulesen. Bei meinem zweiten Besuch in der Heimat meines Mannes,  las ich Band 1 und 2 von Riyad us salihin. An einem Morgen dann, hörte ich  den Azan (Gebetsruf) zum Gebet, ich hatte ihn schon viele Male gehört,  doch diesmal traf er in mein Herz.

Plötzlich verspürte ich ein so starkes Gefühl, als wäre ich nach  langer Suche endlich nach Hause gekommen. Jede Faser meines Herzens  sagte mir, „das ist die Wahrheit, der einzige Weg“, ich fühlte so eine  starke Ruhe und Frieden in mir, ich kann dieses Gefühl nicht  beschreiben, subhanallah!

Eine Woche später, zurück in der Schweiz, wurde ich Muslima. Diesen  Schritt machte ich telefonisch von zuhause, mit einem Scheikh einer  Schweizer Moschee und im Beisein meines Mannes. Etwa ein halbes Jahr  später fing ich an Kopftuch zu tragen.

Alhamdulillah, ich danke Allah von ganzem Herzen dass er mir die  Augen und Ohren geöffnet hat und mich die Wahrheit hat sehen lassen.  Allahu akbar!
Nachdem ich Muslima geworden bin, habe ich am nächsten Tag angefangen zu  beten, das Gefühl beim ersten Gebet kann man nicht erklären. Nach und  nach habe ich mein komplettes Leben rund um den Islam geordnet, was  heisst, er begann mein Leben vom Morgen bis zum Abend zu bestimmen. Er  nahm nicht nur einige Minuten täglich in Anspruch, denn, Muslim sein  heisst ja nicht 5x täglich das Pflichtgebet verrichten und daneben  machst Du was Du willst. Es gilt ja auch, sich an die Gebote und Verbote  zu richten.

Nun galt es irgendwie meine Familie zu informieren. Meine Eltern sind  sehr weltoffene Menschen aber trotzdem hatte ich gerade als ihr  einziges Kind etwas Bammel vor diesem Gespräch. Die Gelegenheit bot  sich, als meine Mutter mit mir ins Schwimmbad gehen wollte. Ich  überredete Sie dann an einem Fluss bei einem abgelegenen Plätzchen  Picknicken zu gehen und weihte sie ein.

Natürlich wollte meine Mutter die Beweggründe wissen und was das nun für  Konsequenzen habe etc. Fast selbstverständlich hat sie meinen Schritt  akzeptiert (was sie gedacht hat weiss ich natürlich nicht… ) Man hatte  wohl schon damit gerechnet.

Als nächstes wäre eigentlich der Schritt zum Kopftuch gekommen.

Nur diesen Schritt wagte ich am Anfang noch nicht. Zu gross war einerseits die Angst vor Reaktionen meiner ganzen Familie und auch vor  der Reaktion im Beruf, Alltag etc.

Immer wieder las ich über das Kopftuch, sei es im Internet oder in  Büchern. Etwa 6 Monate danach habe ich folgendes Video gesehen:

und wieder hat Allah mir geholfen. Das Video hat mich so beeindruckt,  mit all seinen Beweisen, dass mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich dem Weg Islam zu 100% folgen will und nicht nur zur Hälfte. Am nächsten Tag habe ich mir im erstbesten Laden in der Stadt hier ein grosses viereckiges Kopftuch gekauft und angezogen. Alhamdulillah, ich habe es bisher nie bereut, aber auch für diesen Schritt bezahlen müssen-  Doch für Allah und das Paradies ist dies nichts!

Nach einigen Tagen hab ich dann an einem Abend meine Eltern angerufen. Zuerst habe ich meinen Vater informiert, er ist etwas der  stärkere 🙂 . Aber, er war alles andere als begeistert, nein, damit  hatte ich ihnen absolut keinen Gefallen getan und weder er, noch meine  Mutter der er es nach dem Telefongespräch erzählte, konnten es  nachvollziehen.

Der Hauptgrund stimmt einen traurig: Meine Eltern kannten einige gebürtige Muslima’s welche aus islamischen Ländern kamen, aber diese trugen alle KEIN Kopftuch, aber ich eine Schweizerin wollte unbedingt  Kopftuch tragen!! Verständlicherweise war das etwas verwirrend und  unlogisch für sie.

In der ersten Zeit, flaute der Kontakt sehr ab. Zu dieser Zeit wäre  ich wohl in dem kleinen seeländischen Dorf die einzige Frau mit Kopftuch  gewesen, was natürlich ziemlich Gespräche ausgelöst hätte. Ausserdem machten sich meine Eltern etwas Sorgen, dass ich den wohl unvermeidbaren Reaktionen im Alltag nicht gewachsen sei. Nach einiger Zeit und etlichen Gesprächen haben meine Eltern gemerkt, dass ich sehr schlagfertig war und ganz gut mit den Situationen im Alltag umgehen konnte. Seither ist  alles wieder normal und das Kopftuch nur noch selten ein Thema welches  zu Diskussionen führt. Eher werde ich von meiner Mutter wenn wir zusammen unterwegs sind, auf Muslimas mit schönen Tüchern aufmerksam  gemacht „so eines würde Dir auch stehen…“. ALHAMDULILLAH

Teil 3 folgt

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